Was die Prognose verschlechtert
Rauchen ist der am besten belegte Risikofaktor für frühe Implantatverluste. Hinzu kommen eine unbehandelte Parodontitis, ein schlecht eingestellter Diabetes, starkes Knirschen und unregelmäßige Nachsorge.
Implantologie · Berlin-Mitte
Ein Implantat ersetzt die Zahnwurzel. Ob es die richtige Lösung für Ihre Lücke ist, entscheidet der Befund – nicht der Wunsch nach dem Modernsten.
Entscheidung
Ein Implantat ist eine Schraube aus Titan oder Keramik, die in den Kieferknochen eingesetzt wird und dort die Wurzel des fehlenden Zahns ersetzt. Darauf kommt später ein Aufbauteil und die Krone. Der große Vorteil: Die Nachbarzähne bleiben unberührt.
Trotzdem ist ein Implantat nicht automatisch die bessere Wahl. Sind die Nachbarzähne ohnehin schon überkront oder stark gefüllt, kann eine Brücke die sinnvollere Lösung sein. Auch Rauchen, eine unbehandelte Parodontitis oder ein schlecht eingestellter Diabetes verändern die Abwägung. Wir sagen Ihnen vorher, was für und was gegen den chirurgischen Weg spricht.
Nach dem Einsetzen wächst Knochengewebe direkt an die Implantatoberfläche an. Diese Verbindung – die Osseointegration – braucht Zeit und Ruhe. Sie ist der Grund, warum zwischen Operation und endgültiger Krone meist mehrere Monate liegen, und warum ein Implantat nicht in jeder Situation sofort belastet werden kann.
Orientierung
Ob ein Implantat für Sie das Richtige ist, entscheidet der Befund – nicht ein Fragebogen. Diese drei Fragen zeigen Ihnen aber, in welche Richtung das Gespräch vermutlich geht und was wir uns zuerst ansehen werden.
Wie sieht die Lücke aus?
Wie steht es um Zahnfleisch und Knochen?
Was wiegt für Sie schwerer?
Ihre Angaben sprechen für die Situation, in der ein Implantat seine Stärke ausspielt: Die Nachbarzähne müssen nicht angetastet werden. Ob der Knochen an dieser Stelle trägt, zeigt erst die Untersuchung mit Röntgenbild – das ist der eigentliche Prüfstein, nicht die Lückenform.
Bringen Sie vorhandene Röntgenaufnahmen mit, auch ältere. Sie ersparen manchmal eine neue Aufnahme.
Wenn die Nachbarzähne ohnehin überkront sind oder Sie den chirurgischen Weg vermeiden möchten, ist eine Brücke keine schlechtere, sondern eine andere Lösung – mit weniger Terminen und ohne Einheilzeit. Sie verlangt allerdings, dass die Nachbarzähne beschliffen werden und tragfähig sind.
Wir rechnen Ihnen beide Wege durch, bevor Sie sich festlegen.
Bei Ihnen steht noch eine Frage vor der Versorgungsfrage: ein Zahn, über dessen Erhalt noch nicht entschieden ist, ein Zahnfleischbefund, der zuerst behandelt gehört, oder schlicht zu wenig Information. Eine unbehandelte Parodontitis ist der häufigste Grund, warum ein Implantat später Probleme macht – deshalb kommt sie zuerst dran.
Der erste Termin ist dann ein Befundtermin, kein Planungstermin. Das ist keine verlorene Zeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass die spätere Planung hält.
Diese Fragen ersetzen keine Untersuchung, keine Diagnose und keine Beratung. Sie ordnen nur grob ein, worüber wir im Gespräch sprechen werden. Was in Ihrem Fall möglich und sinnvoll ist, ergibt sich aus Befund, Röntgenbild und Ihrer Krankengeschichte.
Qualifikation
Viele Suchanfragen enthalten diesen Begriff – ein solcher Titel existiert in Deutschland aber nicht. „Fachzahnarzt“ ist eine geschützte Gebietsbezeichnung, die eine mehrjährige Weiterbildung und die Anerkennung durch die Landeszahnärztekammer voraussetzt. In Berlin gibt es nach der Weiterbildungsordnung genau drei solcher Gebiete: Kieferorthopädie, Oralchirurgie und Öffentliches Gesundheitswesen. Implantologie ist Teil der Oralchirurgie, aber kein eigenes Fachgebiet.
Was es stattdessen gibt, sind nachweisbare Zusatzqualifikationen: den berufsrechtlich geregelten Tätigkeitsschwerpunkt, Zertifizierungen der Fachgesellschaften DGI und DGOI oder einen Masterabschluss. Wer eine Praxis für eine Implantation auswählt, sollte danach fragen – und eine konkrete, personenbezogene Antwort bekommen statt eines Werbeworts.
Bei uns operiert nicht „die Praxis“, sondern eine bestimmte Person. Wen Sie vor sich haben und welche Ausbildung diese Person mitbringt, besprechen wir im Beratungsgespräch – und Sie finden es im Team wieder.
Chirurgische Eingriffe im Mund führen wir in unserer Oralchirurgie durch.
Ablauf
Der klassische Weg ist der am besten dokumentierte. Die Sofortversorgung ist schneller, aber an strenge Voraussetzungen gebunden. Welcher Weg möglich ist, zeigt erst die Untersuchung.
Anamnese, Untersuchung, Röntgen. Wir klären, ob der eigene Zahn noch erhalten werden kann – Zahnerhalt geht vor Ersatz – und erfassen Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Parodontitis.
Geplant wird rückwärts: Zuerst steht fest, wo die spätere Krone stehen soll, daraus ergibt sich die Position des Implantats. Bei komplexer Ausgangslage gehört eine dreidimensionale Röntgenaufnahme (DVT) dazu – ob sie nötig ist, entscheidet der Befund, nicht die Routine.
Entzündungen werden vorher ausgeheilt. Wenn nötig, wird der Zahn entfernt oder Knochen aufgebaut – beides braucht eigene Heilungszeit.
Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung. Auf Wunsch und nach medizinischer Prüfung sind auch Lachgas, eine Sedierung oder eine Vollnarkose möglich.
In der Regel mehrere Monate, bei Knochenaufbau länger. In dieser Zeit tragen Sie je nach Situation ein Provisorium.
Nach gesicherter Einheilung folgen Scan, Aufbauteil und die endgültige Krone, danach die Kontrolle des Bisses.
Implantate brauchen lebenslang Pflege und Kontrolle. Der Recall-Rhythmus richtet sich nach Ihrem persönlichen Risiko.
Bei der Sofortimplantation wird das Implantat direkt nach dem Ziehen des Zahns in dasselbe Zahnfach gesetzt. Von einer Sofortversorgung spricht man, wenn zusätzlich innerhalb weniger Tage ein festsitzendes Provisorium eingegliedert wird.
Möglich ist das nur unter klaren Bedingungen: Die Knochenwand um das Zahnfach muss intakt sein, das Implantat muss von Anfang an fest sitzen, es darf keine akute Entzündung an dieser Stelle bestehen, und das Weichgewebe muss ausreichend kräftig sein. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist der klassische Weg nicht die schlechtere, sondern die richtige Wahl.
Am Tag des Eingriffs entsteht ein Provisorium, nicht die endgültige Krone. Die definitive Versorgung folgt nach der Einheilung. Für einen ganzen Kiefer beschreiben wir diesen Weg ausführlich auf der Seite Feste Zähne an einem Tag.
Knochen
Nach dem Verlust eines Zahns zieht sich der Kieferknochen an dieser Stelle zurück. Je länger die Lücke besteht, desto häufiger wird ein Aufbau nötig. „Kein Knochen“ bedeutet aber selten „kein Implantat“.
| Verfahren | Wofür | Aufwand |
|---|---|---|
| Kieferkamm-Erhalt | direkt nach dem Ziehen den Knochen möglichst bewahren | gering, spart oft den späteren Aufbau |
| Lokaler Aufbau | fehlende Breite oder Höhe an einer einzelnen Stelle ergänzen | zusätzliche Heilungszeit |
| Interner Sinuslift | begrenzter Aufbau im hinteren Oberkiefer | oft gemeinsam mit der Implantation möglich |
| Externer Sinuslift | größerer Aufbau unter der Kieferhöhle | eigener Eingriff, längerer Ablauf |
| Angulierte Implantate | vorhandenen Knochen durch schräge Position ausnutzen | kann einen Aufbau vermeiden, aber nicht immer |
Kosten
Ein Implantat ist keine Ware mit Listenpreis. Die Gebührenordnung für Zahnärzte verlangt eine Bemessung nach Aufwand und Schwierigkeit des einzelnen Falls; pauschale Festpreise sind berufsrechtlich problematisch. Verbindlich ist deshalb immer erst Ihr schriftlicher Heil- und Kostenplan.
Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt beim Zahnersatz einen befundbezogenen Festzuschuss – nicht die Implantation selbst. Der Zuschuss richtet sich nach der sogenannten Regelversorgung für Ihren Befund und bleibt Ihnen auch dann erhalten, wenn Sie sich für ein Implantat entscheiden. Ohne Bonusheft beträgt er 60 Prozent der Regelversorgung, nach fünf lückenlos dokumentierten Jahren 70 und nach zehn Jahren 75 Prozent.
Private Zusatzversicherungen leisten nach Tarif. Reichen Sie den Heil- und Kostenplan vor Behandlungsbeginn zur schriftlichen Prüfung ein – nach Beginn ist das nicht mehr möglich.
Prognose
Eine systematische Übersichtsarbeit ermittelte nach zehn Jahren ein Überleben von 96,4 Prozent auf Implantatebene; die vorsichtigere Berechnung derselben Arbeit kam auf 93,2 Prozent.
Dreyer et al., 2019 – PubMed 30904559. Studienwerte beschreiben Gruppen, nicht Einzelfälle: Rauchen, Parodontitis, Diabetes, Knochenangebot und die Pflege zu Hause beeinflussen Ihre persönliche Prognose erheblich.
Rauchen ist der am besten belegte Risikofaktor für frühe Implantatverluste. Hinzu kommen eine unbehandelte Parodontitis, ein schlecht eingestellter Diabetes, starkes Knirschen und unregelmäßige Nachsorge.
Auch um ein Implantat herum kann sich das Gewebe entzünden und Knochen abbauen. Kein Material verhindert das. Früh erkannt ist es gut behandelbar – das ist der eigentliche Grund für die regelmäßige Kontrolle.
Fragen
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung; Sie spüren Druck und Bewegung, aber keinen Schmerz. Danach sind Schwellung und Wundschmerz für einige Tage normal – wie stark, ist individuell. Wir besprechen vorher, welche Schmerzmittel für Sie geeignet sind.
Die Operation ist ein einzelner Termin. Bis zur endgültigen Krone vergehen meist mehrere Monate, weil das Implantat im Knochen einheilen muss. Kommt ein Knochenaufbau dazu, verlängert sich der Zeitraum entsprechend.
Manchmal ja. Voraussetzung sind eine intakte Knochenwand, ausreichende Stabilität des Implantats von Anfang an und keine akute Entzündung an dieser Stelle. Ob das bei Ihnen zutrifft, zeigt erst die Untersuchung – vor dem Ziehen lässt es sich nicht sicher versprechen.
Nicht grundsätzlich. Ein Implantat schont die Nachbarzähne, erfordert aber einen chirurgischen Eingriff und gesunden Knochen. Eine Brücke ist schneller fertig und kann sinnvoll sein, wenn die Nachbarzähne ohnehin eine Krone brauchen.
In der Regel ja, aber mit offener Aufklärung: Rauchen erhöht nachweislich das Risiko, dass ein Implantat früh verloren geht, besonders im Oberkiefer. Eine Pause vor und nach dem Eingriff verbessert die Ausgangslage messbar.
Nach oben nicht – entscheidend sind Knochen und Allgemeingesundheit, nicht das Geburtsjahr. Nach unten schon: Bei jungen Menschen sollte das Kieferwachstum abgeschlossen sein, sonst kann sich die Position des Implantats später als unpassend erweisen.
Bei örtlicher Betäubung nicht – im Gegenteil, essen Sie vorher normal. Nüchternheit ist nur bei einer Sedierung oder Vollnarkose erforderlich; die genauen Vorgaben erhalten Sie dann vorab schriftlich.
Das kommt selten vor, ist aber möglich. Dann wird das Implantat entfernt, die Stelle heilt aus und in vielen Fällen ist ein zweiter Versuch möglich. Wie wir in diesem Fall vorgehen, klären wir vor der Behandlung – nicht erst, wenn es eintritt.
Wie einen eigenen Zahn, nur konsequenter: gründliche Reinigung der Übergänge, Zahnzwischenraumpflege und regelmäßige professionelle Reinigung. Der häufigste Grund für späte Implantatprobleme ist nicht das Material, sondern der Biofilm.
Im Beratungsgespräch sehen wir uns die Situation an, besprechen Implantat und Alternativen und Sie bekommen einen schriftlichen Plan mit nach Hause – bevor Sie sich entscheiden.
Oder rufen Sie an: 030 436665501