Was die Behandlung leisten kann
Die Entzündung zum Stillstand bringen, Taschen verflachen, den weiteren Knochenabbau aufhalten und damit Zähne erhalten, die sonst verloren gingen.
Zahnfleischbehandlung · Berlin-Mitte
Zahnfleischentzündung, die den Knochen angreift – meist ohne Schmerzen. Behandelt wird sie in festen Stufen: erst ohne Schnitt, chirurgisch nur dort, wo es danach nötig bleibt.
Befund
Gesundes Zahnfleisch liegt dem Zahn eng an. Zwischen beiden bleibt nur ein flacher Spalt. Entzündet sich das Gewebe dauerhaft, löst es sich vom Zahn – aus dem Spalt wird eine Tasche. In dieser Tasche sammeln sich Bakterien, die mit Zahnbürste und Zahnseide nicht mehr erreichbar sind.
Der entscheidende Schritt kommt danach: Der Körper reagiert auf die Entzündung, indem er den Knochen zurückzieht, der den Zahn hält. Dieser Knochen wächst nicht von allein nach. Deshalb ist Parodontitis keine Frage der Ästhetik, sondern die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter.
Das Tückische ist das Ausbleiben von Schmerz. Karies meldet sich, Parodontitis meist nicht. Viele Betroffene bemerken sie erst, wenn Zähne sich lockern oder ihre Stellung verändern – und dann ist Knochen bereits verloren.
Links liegt das Zahnfleisch dem Zahn an, der Knochen reicht bis dicht unter die Krone. Rechts hat sich das Zahnfleisch gelöst, und der Knochen ist zurückgewichen – der Zahn steht auf weniger Fundament.
Diesen Unterschied sieht man von außen lange nicht. Messbar ist er mit der Sonde und auf dem Röntgenbild, und genau deshalb beginnt jede Behandlung damit.
Taschentiefe
Bei der Untersuchung wird an mehreren Stellen jedes Zahns gemessen, wie weit die Sonde zwischen Zahn und Zahnfleisch gleitet, und ob es dabei blutet. Aus diesen Werten und dem Röntgenbild ergibt sich, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und was sie braucht.
Die Einteilung dient der Orientierung. Wie Ihr Befund tatsächlich aussieht, ergibt die Messung an Ihren Zähnen – nicht die Selbsteinschätzung.
Anzeichen
Parodontitis kündigt sich selten mit Schmerz an, aber fast immer mit anderen Zeichen. Kreuzen Sie an, was Sie kennen – die Einordnung zeigt, wie dringlich eine Untersuchung ist.
Dann spricht aus der Ferne nichts für eine akute Parodontitis. Sicher ist das trotzdem nicht: Die Erkrankung verläuft über Jahre ohne Beschwerden und wird erst durch Messung und Röntgenbild sichtbar. Die reguläre Kontrolle bleibt der zuverlässige Weg.
Was Sie angekreuzt haben, kann harmlos sein – oder ein früher Hinweis. Zahnfleisch, das beim Putzen blutet, ist nicht normal, sondern entzündet. Im frühen Stadium reichen oft einfache Maßnahmen, deshalb lohnt es sich, das bei der nächsten Kontrolle gezielt ansprechen zu lassen.
Diese Kombination sollte untersucht werden. Je früher gemessen wird, desto mehr Knochen lässt sich erhalten – verlorener Knochen kommt nicht von selbst zurück. Ein Termin zur Untersuchung mit Parodontalstatus klärt in überschaubarer Zeit, woran Sie sind.
Mehrere dieser Punkte zusammen – besonders gelockerte oder gewanderte Zähne – sprechen dafür, dass der Zahnhalteapparat bereits betroffen ist. Warten verschlechtert die Ausgangslage. Bitte vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin, auch wenn nichts weh tut.
Diese Auswahl ist kein Test, keine Diagnose und kein Ersatz für eine Untersuchung. Sie ordnet nur ein, wie dringlich ein Termin ist. Ob und wie weit eine Parodontitis vorliegt, zeigen allein Messung und Röntgenbild.
Ablauf
Seit Juli 2021 regelt eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, wie eine Parodontitis bei gesetzlich Versicherten behandelt wird. Das ist eine gute Nachricht für Sie: Der Ablauf ist bundesweit derselbe, die Schritte bauen aufeinander auf, und die Nachsorge gehört fest dazu – sie ist nicht das Extra, das man sich sparen kann.
Messung der Taschentiefen an allen Zähnen, Blutungspunkte, Röntgenbild. Daraus entsteht der Parodontalstatus – die Landkarte Ihrer Erkrankung.
Wir gehen den Befund mit Ihnen durch, besprechen Risikofaktoren und was sich davon beeinflussen lässt. Der Behandlungsplan geht anschließend zur Genehmigung an Ihre Krankenkasse.
Bevor unter dem Zahnfleisch gearbeitet wird, muss die Reinigung darüber sitzen. Sie lernen, welche Hilfsmittel zu Ihren Zahnzwischenräumen passen und wie sie benutzt werden.
Die Wurzeloberflächen werden durch die Tasche hindurch gereinigt – mit Handinstrumenten und Ultraschall, unter örtlicher Betäubung, ohne Schnitt. Meist in ein bis zwei Sitzungen.
Nach einigen Monaten wird erneut gemessen. Erst diese Kontrolle zeigt, welche Taschen sich geschlossen haben und wo etwas offen geblieben ist. Hier entscheidet sich, ob ein chirurgischer Schritt folgt.
Nur an den Stellen, die tief geblieben sind. Das Zahnfleisch wird ein Stück gelöst, die Wurzel unter Sicht gereinigt, danach wird wieder vernäht.
Regelmäßige Termine, bei denen erneut gemessen und gereinigt wird. Wie oft, richtet sich nach dem Verlauf. Diese Phase gehört zur Behandlung – sie entscheidet, ob das Erreichte bleibt.
Methoden
Das ist der Punkt, an dem viele Darstellungen in die Irre führen: Offen und geschlossen sind keine zwei Angebote, zwischen denen man sich entscheidet, und offen ist auch nicht die gründlichere Variante für Anspruchsvolle.
Es sind zwei aufeinanderfolgende Stufen. Die geschlossene Behandlung kommt immer zuerst, weil sie ohne Schnitt auskommt und in vielen Fällen ausreicht. Erst die Kontrolle danach zeigt, ob irgendwo ein chirurgischer Schritt nötig bleibt – und wenn ja, dann nur dort.
Wenn Ihnen jemand die offene Behandlung anbietet, bevor geschlossen behandelt und das Ergebnis gemessen wurde, fragen Sie nach dem Grund.
Ob Laser, lokale Antibiotika oder Tests auf bestimmte Bakterien zusätzlich sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall ab. Als Ersatz für die gründliche mechanische Reinigung der Wurzeloberflächen gilt keines dieser Verfahren.
Kosten
Anders als bei vielem in der Zahnmedizin ist die Parodontitistherapie weitgehend eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung – vorausgesetzt, der Befund erfüllt die Kriterien der Richtlinie. Dazu gehört auch die Nachsorge über zwei Jahre, die früher privat zu zahlen war.
Privatversicherte und Zusatztarife rechnen nach der Gebührenordnung für Zahnärzte ab; der Umfang richtet sich nach Ihrem Vertrag. Sie erhalten den Plan vor Behandlungsbeginn zur Einreichung.
Ihr Anteil
Bei den meisten zahnmedizinischen Behandlungen ist die Arbeit getan, wenn Sie den Stuhl verlassen. Hier nicht. Parodontitis ist eine chronische Erkrankung: Sie lässt sich zum Stillstand bringen, aber die Bedingungen, unter denen sie entstanden ist, bleiben bestehen. Was danach passiert, entscheidet sich überwiegend zu Hause.
Das klingt nach viel. In der Praxis sind es wenige Minuten am Tag und ein paar Termine im Jahr – gemessen an dem, was auf dem Spiel steht, der günstigste Teil der ganzen Behandlung.
Studienlage
In einer Metaanalyse verringerte sich die Taschentiefe nach der geschlossenen Behandlung im Mittel um 1,4 Millimeter. Rund 74 Prozent der behandelten Taschen galten nach sechs bis acht Monaten als geschlossen.
Systematischer Review und Metaanalyse zur subgingivalen Instrumentierung, Journal of Clinical Periodontology 2020 – PMID 31889320 (Auswertung aus neun Studien; 95-%-Konfidenzintervall 1,0–1,7 mm beziehungsweise 64–85 Prozent). Das sind Mittelwerte aus Studien, keine Aussage über Ihren Befund: Wie eine einzelne Tasche reagiert, hängt von ihrer Ausgangstiefe, der Zahnform, dem Rauchverhalten und der Mundhygiene ab.
Die Entzündung zum Stillstand bringen, Taschen verflachen, den weiteren Knochenabbau aufhalten und damit Zähne erhalten, die sonst verloren gingen.
Verlorenen Knochen zurückholen – nur in bestimmten Defektformen ist ein Wiederaufbau überhaupt möglich. Und sie schützt nicht davor, dass die Erkrankung ohne Nachsorge zurückkehrt.
Fragen
Die Reinigung unter dem Zahnfleischrand erfolgt unter örtlicher Betäubung. In den Tagen danach kann das Zahnfleisch empfindlich sein und die Zähne können auf Kälte reagieren, weil freiliegende Wurzelanteile nicht mehr von Belag bedeckt sind. Wenn Sie sehr ängstlich sind, sprechen Sie uns an – auch hier sind Lachgas oder Sedierung möglich.
Das lässt sich vorher nicht sagen und sollte auch niemand vorher versprechen. Es entscheidet sich bei der Kontrolle einige Monate nach der geschlossenen Behandlung: Taschen, die sich geschlossen haben, brauchen nichts weiter. Nur wo es tief geblieben ist, kommt ein chirurgischer Schritt infrage.
Die Entzündung geht zurück, das Gewebe wird fester und legt sich wieder an den Zahn – die Taschen werden dadurch flacher. Zurückgegangenes Zahnfleisch wächst aber nicht auf sein altes Niveau zurück. Nach erfolgreicher Behandlung können Zähne deshalb länger wirken als vorher.
Das hängt davon ab, wie weit der Knochenabbau fortgeschritten ist. Viele Zähne, die als verloren gelten, lassen sich mit systematischer Behandlung und konsequenter Nachsorge über Jahre halten. Eine Zusage ist das nicht: Bei sehr weit fortgeschrittenem Abbau kann der Erhalt eines einzelnen Zahns die schlechtere Lösung sein.
Von der Untersuchung bis zur Kontrolle nach der geschlossenen Behandlung vergehen typischerweise einige Monate, weil das Gewebe Zeit zum Ausheilen braucht. Die Nachsorge läuft danach über zwei Jahre. Es ist eine Behandlung mit langem Atem, keine Sache von zwei Terminen.
Es gibt gut untersuchte Zusammenhänge, am deutlichsten mit Diabetes: Beide Erkrankungen beeinflussen sich wechselseitig. Auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu Schwangerschaftskomplikationen werden Zusammenhänge beschrieben. Ein Zusammenhang ist allerdings nicht dasselbe wie eine Ursache – seriös lässt sich sagen, dass eine behandelte Entzündung dem Körper weniger zusetzt als eine unbehandelte.
Nein. Die professionelle Zahnreinigung arbeitet oberhalb und knapp unterhalb des Zahnfleischrands. Bei Parodontitis sitzen die Bakterien tief in der Tasche auf der Wurzeloberfläche – dort kommt man nur mit der systematischen Behandlung hin. Die Reinigung ist eine wichtige Vorbereitung, aber kein Ersatz.
Ja. Parodontitis ist chronisch: Die Behandlung bringt sie zum Stillstand, beseitigt aber nicht die Veranlagung. Genau dafür gibt es die Nachsorge – sie fängt eine erneute Verschlechterung ab, solange sie noch klein ist.
In aller Regel ja. Bevor unter dem Zahnfleisch gearbeitet wird, sollte darüber alles sauber sein, sonst besiedelt sich die gereinigte Tasche sofort neu. Diese Vorbehandlung ist meist keine Kassenleistung; Sie erfahren vorher, was auf Sie zukommt.
Ob und wie weit Ihr Zahnhalteapparat betroffen ist, zeigt eine Untersuchung mit Parodontalstatus. Vereinbaren Sie einen Termin in der Friedrichstraße 80 – auch dann, wenn nichts weh tut.
Oder rufen Sie an: 030 436665501